Die Werder Prognose

Akte Werder SVW

93 Gegentore! Erst kommt Kuno, dann der Sprücheklopfer. Dossier, Match Intelligence und Prediction Markets — alles zu Werder Bremen.

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SV Werder Bremen
Foto: Imago Images
Teil 1
Die Akte
Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten — das komplette Club-Dossier in 12 Kapiteln.
PrologSteckbriefGood to KnowHaterLoverMIPsPNGTragischOMGFun FactsSpecialWeise Worte
Bald
Teil 2
Intelligence
KI-gestützte Match-Analyse, Teamdaten, Verletzungen und Head-to-Head-Statistiken.
KaderNächstes SpielStatistikenForm
Bald
Teil 3
Predictions
Prediction Markets, Portfolio-Management und Risiko-Analyse mit Kelly Criterion.
Directional AlphaArbitragePortfolioRisk Tools

Prolog

Was diese Seite ist — und warum

„AKTE WERDER" richtet sich an Lover und Hater der Grün-Weißen. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.

93 Gegentore! Erst kommt Kuno, dann der „Sprücheklopfer". Werder Bremen ist der Verein der großen Emotionen — von der Meisterschaft 2004 unter Thomas Schaaf über das Wunder von der Weser bis zum bitteren Abstieg 2021. Otto Rehhagel machte den Klub groß, Ailton tanzte auf dem Tisch, und Claudio Pizarro wurde zur Legende. Ein Traditionsverein, der zwischen Triumph und Tragödie pendelt.

Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte Werder ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.

Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.

Akte Werder ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.

Steckbrief

Daten, Fakten und Ereignisse

Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse

Der am 4. Februar 1899 gegründete Sport-Verein „Werder“ v. 1899 e. V., bekannt als SV Werder Bremen oder einfach nur Werder Bremen bzw. SV Werder, ist mit etwas mehr als 40.000 Mitgliedern einer der 15 größten Sportvereine Deutschlands. Werder Bremen ist Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga (1963) und gehört zu den erfolgreichsten Fußballvereinen in Deutschland. Viermal wird die Mannschaft von Werder Bremen Deutscher Fußballmeister und sechsmal DFB-Pokalsieger – jeweils Stand Dezember 2019.

Seit 1981 spielt Werder Bremen ohne Unterbrechung in der Bundesliga und ist seit 2019/20 mit 56 absolvierten Spielzeiten der Verein, der am häufigsten in der deutschen Eliteliga vertreten ist. In der ewigen Tabelle der Bundesliga liegt Werder Bremen hinter dem FC Bayern München auf Rang 2 (Stand: Dezember 2019).

Der Vereinsname ist vom an der Weser gelegenen Stadtwerder abgeleitet, auf dem sich das erste Trainings- und Spielgelände des Vereins befindet20.

Das Weserstadion hat eine Zuschauerkapazität von 42.100 Zuschauern. Im Weserstadion entstehen 1992 die ersten Logen in einem deutschen Fußballstadion. Seit dem 1. Juli 2019 trägt die Arena den Sponsoren-Namen „Wohninvest Weserstadion“. Im Weserstadion befindet sich seit Dezember 2004 auch das Vereinsmuseum „Wuseum“.

SV Werder Bremen
Abb.1.8.1 Am 14.02.1981 wird Kuno Klötzer, Trainer von Werder Bremen, im Krankenhaus in Braunschweig von Hennes Jäcker, Präsident von Eintracht Braunschweig besucht. Foto: Imago Images/Rust Foto: Imago Images

20. Das Wort „Werder“ bezeichnet eine Flussinsel oder das Land, das von einem Fluss aufgeschwemmt wurde, wie den Peterswerder, auf dem sich das heutige Bremer Weserstadion befindet, in dem Werder Bremen seine Heimspiele austrägt.↩

Good to Know

Was wenige wissen

Werder Bremen ist bekannt dafür hanseatisch und solide zu wirtschaften. Weniger bekannt ist, dass das nicht immer so ist und der Versuch, Werder Bremen zum Spitzenteam der 70-er Jahre zu machen, im Desaster endet.

Zur Saison 1971/72 wechselt der SV Werder nicht nur seine Trikotfarben, sondern will mit einem Starensemble wieder Deutscher Meister werden. Anstatt im traditionellen „Grün-Weiß" läuft der SVW in den „Speckflaggen-Trikots" auf. Die Farben der Stadt Bremen leuchten auf dem Shirt, statt dem Werder-W zeigt sich der Bremer Schlüssel auf der Brust der längsgestreiften Trikots. Mit Hilfe der Stadt und der Bremer Wirtschaft werden dem Verein Schulden erlassen und der Klub wird an den Erlösen aus den Werbeeinnahmen des Weserstadions beteiligt. Und Werder geht auf Einkaufstour. Willi Neuberger und Werner „Acker" Weist (von Borussia Dortmund) sowie Herbert Laumen (Borussia Mönchengladbach) tragen nun das Bremer Trikot. Was wenige wissen: Fast hätte auch Laumens Gladbacher Mitspieler, der Gladbacher Superstar, Günter Netzer in der Saison 1971/72 an der Weser angeheuert. Spieler und Klub sind sich bereits einig, als Netzer zur Bedingung für einen Wechsel macht, dass er genau wie in Gladbach auch in Bremen die Stadionzeitung herausgeben darf. Werder lehnt ab, Netzer darf das „Werder-Echo“ nicht herausgeben und bleibt zunächst in Gladbach. Das Unterfangen Meisterschaft scheitert. Werder wird in der Saison 1971/72 nur Elfter und allseits verspottet. Die neuen Sponsoren ziehen sich zurück. Überschuldet taumelt der Verein der 2. Bundesliga entgegen.

Werder in HSV-Trikots? Gibt es nicht? Gibt es doch! Als zu ähnlich im Farbton empfindet Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler (Euskirchen) am 27. November 1971 zur Halbzeit im Hamburger Volksparkstadion die Trikots der Nord-Rivalen HSV und Werder Bremen. Denn: Anders als im gewohnten Grün-Weiß bestreiten die Werderaner ja die Saison 1971/72 in Jerseys in den Bremer Stadtfarben Rot und Weiß und auch in Hamburg haben sie keine wirklich unterscheidbaren Ausweichtrikots dabei. Die Folge: Werder muss in der zweiten Hälfte der Partie, die mit 1:2 verloren wird, in HSV-Trikots spielen. Mehr Demütigung geht nicht…

Kaum zurück in der Bundesliga, kassiert Werder Bremen 1981/82 die bis heute höchste Niederlage seiner Bundesliga-Zugehörigkeit. Bei Eintracht Frankfurt setzt es am 14. Spieltag ein 2:9 (1:4). „Ronny“ Borchers trägt sich auf Frankfurter Seite dreimal in die Torschützenliste ein. Weniger bekannt ist, dass ein Autounfall Mitschuld an der hohen Niederlage der Bremer trägt. Denn Bremens Ersatztorwart Hermann Rülander, der für den Stammtorhüter Dieter Burdenski spielt, hat sich vor Spielbeginn in Folge eines Autounfalls eine Gehirnerschütterung zugezogen und sieht die Bälle doppelt. Er erzählt aus falschem Ehrgeiz seinem Trainer Otto Rehhagel nichts von der Verletzung. Ein Desasterdebüt - Rülander spielt nie wieder in der Bundesliga.

SV Werder Bremen
Abb.1.8.2 Fast hätten sie 1971/72 zusammen bei Werder Bremen gespielt – Horst-Dieter Höttges (l.) und Günter Netzer (r.). Foto: Imago Images/WEREK

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

Bremen-Hater dürfen sich vor allem die Bundesliga-Statistiken der Saison 1979/80 einrahmen.

Abstieg 1979/80: Eintracht Braunschweig steigt als 18. der Tabelle ab, Werder Bremen schließt sich aus norddeutscher Sympathie an und steigt ebenfalls ab. Die Saison 1979/80 ist die historisch schlechteste für Werder Bremen in der Bundesliga. Nahezu alle Negativ-Rekorde fallen – Stand: Dezember 2019 - in diese Spielzeit, in der die Mannschaft weder mit Vize-Weltmeister Wolfgang Weber noch mit Trainergeneral Fritz Langner als Coach den bis dato einzigen Abstieg abwenden kann. Zu den Fremdschäm-Rekorden gehören:

Schlechteste Platzierung: 1979/80 ist Rang 17 vor Eintracht Braunschweig die schlechteste Platzierung im Fußball-Oberhaus. Auf Rang 16 geht Hertha BSC mit in die 2. Liga Nord.

Meiste Gegentore: 1979/80 muss Werders Torhüterlegende Dieter „Budde“ Burdenski 93-mal hinter sich greifen.

Höchste Auswärtsniederlage: Am 12. April 1980 verliert man beim kommenden Meister FC Bayern München mit 0:7 (0:2). Es ist bis zum Wiederaufstieg 1981 die höchste Auswärtspleite von Werder in einem fremden Stadion in der Bundesliga. Zusammen mit der Niederlage am 26. Spieltag der Saison 1963/64 bei Eintracht Frankfurt (ebenfalls 0:7). Dann folgt das schon erwähnte 2:9 von Frankfurt (14. November 1981).

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Abb.1.8.3 Michael Kutzop verschießt am 22. April 1986 seinen einzigen Elfmeter in der Bundesliga gegen den FC Bayern – Drama! Foto: Imago Images/Schumann

Meiste Niederlagen: 20 Spiele verliert Werder im Abstiegsjahr 1979/80

Schlechteste Tor-Differenz: Sie beträgt 1979/80 minus 41, bei 93 Gegentoren. Das ist eine einsame Bestmarke vor den Spielzeiten 2013/14 und 1974/75 mit jeweils minus 24.

Aber auch in der jüngeren Geschichte werden einige traurige Bestmarken gesetzt:

Wenigste erzielte Punkte: Die geringste Punktzahl gibt es 2012/13. 34 Punkten bedeuten erst am 33. Spieltag die Rettung vor dem Abstieg.

Für die Lover

Wichtige Triumphe und große Erfolge

Europacup der Pokalsieger: Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte von Werder Bremen ist der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1992 unter der Regie von Trainerikone Otto Rehhagel. Am 6. Mai 1992 bezwingen die Bremer in Lissabon AS Monaco mit 2:0 (1:0) durch Tore von Klaus Allofs und Wynton Rufer.

Das Double: Mindestens auf einer Stufe mit dem bis heute einzigen Europapokal-Erfolg – 2009 verliert Werder Bremen das UEFA-Cup-Finale gegen Schachtjor Donezk mit 1:2 nach Verlängerung – steht für Werder-Fans das „Double“ von 2004 mit Meistertitel und DFB-Pokalsieg. Durch das Meisterstück bei Verfolger und Rivale Bayern München gewinnt es eine besondere Note.

Fischwochen gegen den HSV: Ebenso wie die Saison 2008/09, in der Werder Bremen in den unvergessenen „Fischwochen“ sowohl im DFB-Pokal als auch im UEFA-Cup jeweils im Halbfinale beim Erzrivalen HSV triumphiert.

Werder „rockt“ die 2. Bundesliga Nord: Auf den bitteren Abstieg von 1980 folgt der direkte Wiederaufstieg – mit der für Werder ligaübergreifend besten Bilanz seit Einführung der Bundesliga. Nach Drei-Punkte-Rechnung holt man 98 Zähler aus 42 Spielen, nach damaliger Zählweise 68. Am 12. Mai 1981 macht man mit einem 3:0 (2:0)-Erfolg beim VfB Oldenburg im legendären Donnerschweer Stadion („Die Hölle des Nordens“) die Rückkehr perfekt. Die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel ist namhaft besetzt. Neben Torhüter Dieter Burdenski laufen in Oldenburg unter anderem Schalke-Legende Klaus Fichtel und Erwin Kostedde auf, alles Ex-Nationalspieler.

Einer der besten Vizemeister: Werders beste Saison nach Punkten in der Bundesliga ist die Spielzeit 1982/83 mit (umgerechnet) 75 Zählern, damals 52. Das bedeutet Punktgleichheit mit dem Erzrivalen Hamburger SV, dessen Tordifferenz um acht Treffer besser ist. Kleiner Trost: Rudi Völler holt sich immerhin als erster Bremer die Torjägerkanone.

SV Werder Bremen
Abb.1.8.4 Wynton Rufer und der Pokal. Werder wird Europacup-Sieger der Pokalsieger im Jahr 1992. Foto: Imago Images /Stockhoff

Die beste Tor-Ausbeute: Die Ballermänner von der Weser – Rudi Völler, Frank Neubarth und Uwe Reinders – lassen es 1984/85 krachen. 87 Tore bedeuten Werder-Rekord in der Bundesliga und die beste Offensiv-Leistung in jener Saison. 1. FC Kaiserslautern und Karlsruhe treten mit 1:6 und 1:7 die weite Heimreise an… Rudi Völler, der unumstrittene Publikumsliebling jener Jahre, trifft 25-mal. Allein: Es reicht wieder nur zu Rang zwei, weil die Bayern vier Punkte mehr holen.

Historisches Double: Die Saison 2003/04 – mehr Werder ist nie! Seit dem 16. Spieltag steht die Mannschaft von Werder-Legende Thomas Schaaf (nach einem 3:1 gegen Bayer Leverkusen) an der Tabellenspitze und gibt sie nicht mehr her. Mit sechs Punkten vor Bayern München wird Werder Bremen Deutscher Meister und holt sich anschließend mit einem 3:2 gegen Alemannia Aachen im Berliner Olympiastadion den DFB-Pokal. Im Schatten von Top-Torjäger Ailton wird Ivan Klasnic mit 13 Toren und elf Assists zur Entdeckung der Saison. Bei Werders triumphaler Krönung am 32. Spieltag bei den Bayern (3:1) düpiert Klasnic den Münchner Keeper Oliver Kahn.

Meister – und dabei nur zwei Mal Tabellenführer! Das vielleicht größte Werder-Wunder in der Bundesliga! In der Spielzeit 1992/93 wird Bremen Meister und steht dabei nur an den letzten beiden Spieltagen auf Rang 1! Am 4. Spieltag sind Rehhagel und Co. nach einem 2:5 in Karlsruhe sogar auf Rang 16. Am letzten Spieltag distanzieren die Norddeutschen mit einem 3:0 in Stuttgart den Dauer-Tabellenführer FC Bayern, der beim 3:3 auf Schalke patzt und revanchieren sich für ihre auf der Zielgeraden verlorenen Meisterschaft von 1986.

Höchster Heimsieg: 8:1 schlägt Werder Bremen Kickers Offenbach in der Saison 1983/84 am 15. Spieltag der Bundesliga. Mit dem gleichen Ergebnis gewinnt man am 8. Spieltag der Saison 2007/08 ebenfalls in der Bundesliga gegen Arminia Bielefeld.

Most Important Persons

Diese Typen prägen den Verein

Otto Rehhagel

Gekommen um zu bleiben:Es sieht zunächst nach einem kurzen Intermezzo an der Weser aus: Otto Rehhagel kommt am 29. Februar 1976 als “Feuerwehrmann” zum SV Werder Bremen, mit einem Vertrag bis Saisonende. Die Norddeutschen stehen am 22. Spieltag auf Platz 14 der Bundesligatabelle und sind vom Abstieg…

Thomas Schaaf

Der letzte Meisertrainer:Mit 14 Jahren und einem Tag ist Schaaf im deutschen Profifußball einer der Trainer, der am längsten ohne Unterbrechung für einen Verein tätig ist. Von 10. Mai 1999 bis 11. Mai 2013 hat Schaaf die Zügel in der Hand und führt eine damals verunsicherte Mannschaft zurück an die …

Claudio Pizarro

Oldie but Goldie:Der peruanische Pferdeliebhaber lässt seit jeher Bremer Fanherzen höherschlagen. Seine erste Werder-Phase dauert von 1999 bis 2001, er erzielt 29 Tore und wird von den Bayern gekauft. 2008 kehrt „Piza“ als „Leihgabe” von Chelsea zurück, wird erfolgreichster Torschütze der Bremer und…

Pico Schütz

Der Kapitän:Arnold „Pico“ Schütz gewinnt als Spieler des SV Werder Bremen 1961 den DFB-Pokal und in der zweiten Saison der Bundesliga, 1964/65, als Kapitän die Meisterschaft. Insgesamt trägt die Vereinslegende von 1955 bis 1972 826-mal das Werder-Trikot. Von 1963 bis 1972 spielt er 253-mal für Werde…

Willi Lemke

Das Bremer Triumvirat:Wilfried „Willi“ Lemke war Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienst von Frieden und Entwicklung, Senator für Bildung und Wissenschaft und Senator für Inneres und Sport der Freien Hansestadt Bremen. Nach seiner Zeit als Manager von Werder Bremen. Unter der Führu…

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Abb.1.8.5 Claudio Pizarro in seiner „Jugend“ bei Werder Bremen. Foto: Imago Images/ Team 2. Infografik by Ligalive, Infografik erstellt von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook Venture GmbH

Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt

Aad de Mos

Bedankt:Nur sechs Monate darf der Niederländer die Bremer lenken, bis er vorzeitig verabschiedet wird. Nach dem Scheiden von „Übervater Otto“ präsentiert der Bundesligist am 1. Juli 1995 ambitioniert den neuen Trainer. De Mos sollte weiterführen, was Rehhagel erfolgreich aufgebaut hat. Die Vereinssp…

Jürgen Trittin

Der Sprücheklopfer:„Lebenslang Werder – kein Tag Wiesenhof” lautet das Statement des Grünen-Politikers im August 2012. Nachdem Bremen im Geflügelunternehmen Wiesenhof einen neuen Trikotsponsor gewinnen kann, zieht Trittin die Konsequenz und sich als Umwelt-Botschafter des Vereins zurück. Die Firma s…

Ivan Klasnic

Der Pechvogel:Der Kroate läuft sieben Jahre lang für Werder auf, bevor er sich gegen eine angebotene Vertragsverlängerung entscheidet. Grund dafür: Die Vereinsärzte. Der Stürmer hat im April 2008 Klage gegen die Mannschaftsärzte Götz Dimanski und Manju Guha eingereicht, nachdem sie seine schlechten …

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Abb.1.8.6 Erfolglos in Bremen – Aad de Mos ist im Jahr 1995 kurzzeitig Trainer in Bremen und „disst“ den Verein öffentlich im SPIEGEL. Foto: Imago Images/ Pressefoto Baumann

Tragisch

Diese Personen hatten Pech

Ulrich Borowka – Eisenfuß:239-mal läuft „die Axt” im Werder-Trikot auf. Als Abwehrspieler bildet der schuss- und zweikampfstarke Borowka von 1987 bis 1995 die Wand vor dem Bremer Tor. Er lässt wenige Gegenspieler passieren und greift zu jedem Mittel, das recht ist. Zu Gladbach-Zeiten begrüßt er Gegenspieler Olaf Thon 1984 mit den Worten „Ich brech' dir gleich beide Beine.“ Standpunkt klar, auch wenn der Verteidiger seine Androhung nie in die Tat umsetzt. Mit Werder wird der von den Fans „Eisenfuß” genannte Borowka 1988 und 1993 Deutscher Meister sowie 1991 und 1994 DFB-Pokalsieger. Seine Karriere gipfelt 1992 im Gewinn des Europapokals der Pokalsieger in Lissabon, da ist er längst A-Nationalspieler (sechs Einsätze 1988, er nimmt an der EM im eigenen Land teil). Nach dem Karriereende folgt der Absturz: Borowka macht Schlagzeilen mit seiner Alkoholabhängigkeit und Gewaltexzessen, landet in einer Entzugsklinik und schreibt ein Buch. Dort bekennt er, schon als aktiver Spieler Alkoholiker gewesen zu sein. Mutig! Aber seine Vergangenheit holt den längst „trockenen“ Borowka immer wieder ein. Schon zweimal streicht ihn der DFB für die vorgesehene Ehrung früherer Pokalhelden, worüber er sich im Dezember 2019 öffentlich beklagt: „In den Jurysitzungen soll immer wieder meine Alkoholsucht thematisiert worden sein. Ich fühle mich vom DFB diskriminiert.“

Horst Dieter Höttges – Das Trauma von 1966:Höttges spielt von 1960 – 1964 für Borussia Mönchengladbach und von 1964 – 1978 für Werder Bremen. Für die Hanseaten trifft der Verteidiger in 420 Spielen 55-mal ins Tor. Höttges spielt von 1965 – 1974 auch 66-mal für die deutsche Nationalelf. Das Pech von Höttges heißt Geoff Hurst. Wenn er seinen Namen hört, gerät er ins Grübeln. „Es war fast schon mein Trauma“, gesteht Höttges, der als einziger Werderaner bislang an drei Weltturnieren teilnehmen darf. Höttges ist bei der WM 1966 in England Stammverteidiger der deutschen Nationalelf, die es ins Finale schafft. Da geht es gegen den Gastgeber. Der Bremer, der sich selbst nicht unbedingt als „überragenden Fußballer“ sieht, kehrt nach einer Verletzung zurück in die Elf, ist aber noch nicht ganz fit. Im Gegensatz zu seinem Gegenspieler Geoff Hurst. Dieser wirbelt, zauberte und trifft drei Mal. England wird Weltmeister. Geständnis von Höttges: „Ein wahrer Alptraum.“

Erwin Kostedde – Unschuldig im Knast:In 219 Bundesligaspielen erzielt Erwin Kostedde 98 Tore. In der Nationalmannschaft kommt Kostedde 1974 und 1975 dreimal zum Einsatz und ist der erste dunkelhäutige deutsche Nationalspieler. Sein Debüt gibt er am 22. Dezember 1974 in Gżira beim 1:0-Erfolg in der EM-Qualifikation gegen Malta. Sein drittes und zugleich letztes Spiel bestreitet er am 11. Oktober 1975 beim 1:1 im EM-Qualifikationsspiel gegen Griechenland. Der damalige Werder-Manager Rudi Assauer äußert sich 1980 über die Verpflichtung von Erwin Kostedde für Bremen wie folgt: „Bei uns braucht der Kostedde nicht mehr zu laufen, es genügt, wenn er im gegnerischen Strafraum steht und mit seinem Hintern noch Tore macht.“. Kostedde liefert und schießt 38 Tore in 75 Spielen für Werder. Nach seinem Karriereende verliert er seine Ersparnisse von über einer Million DM durch einen dubiosen Anlageberater. 1990 wird er wegen des Verdachts, einen Raubüberfall auf eine Spielhalle in Coesfeld begangen zu haben, verhaftet und nach monatelanger Untersuchungshaft von diesem Vorwurf freigesprochen. Denn die Polizei hat nachlässig ermittelt, der Belastungszeuge hat ihn verwechselt. Aber der Ruf ist ruiniert. Für seine ungerechtfertigte Inhaftierung erhält er magere 3.000 DM Haftentschädigung. „Der einstige Erwin Kostedde ist 1990 gestorben“, sagt Kostedde zu den damaligen Anschuldigungen und dem seitdem mit der nicht begangenen Straftat verbundenen Image. Von Erwin Kostedde ist der Spruch überliefert: „Ich möchte nie mehr arbeiten, sondern nur noch am Tresen stehen und saufen."

Manfred Burgsmüller – Kein Glück zum Schluss:„Manni" Burgsmüller ist der fünftbeste Torjäger der Bundesliga-Historie, ein raffinierter Angreifer und ein Schlitzohr. Sein Pech: In der Nationalelf spielt er keine Rolle. Er kommt in Zeiten von Gerd Müller nur auf drei Länderspiele. 213 Erstligatreffer erzielt er von 1974 bis 1990 für Rot-Weiß Essen, Borussia Dortmund, den 1. FC Nürnberg und Werder Bremen. Beim BVB halten heute nicht Pierre-Emerick Aubameyang, Stéphane Chapuisat oder Michael Zorc den Vereinsrekord, sondern immer noch Burgsmüller mit 135 Bundesligatoren. Zum Abschluss seiner aktiven Sportkarriere spielt er sechs Jahre American Football für die Düsseldorf Rhein Fire. Als Kicker macht er sich einen Namen und geht in die Annalen als 'ältester Spieler aller Zeiten' ein. 52 Jahre ist Burgmüller alt, als er sein Abenteuer im American Football beendet. Die lange Sportlerkarriere hat Spuren hinterlassen, Arthrose. Die BILD-Zeitung einen ersten Solidaritätsaufruf und beschreibt seine Leiden als Arthroseopfer: „Unter den Augen haben sich Halbringe gebildet, die Tränensäcke sind angeschwollen. Das Gesicht ist stark aufgedunsen, Krücken stehen an seinem Stuhl.“ Burgsmüller stirbt im Mai 2019 mit 69 Jahren.

SV Werder Bremen
Abb.1.8.7 Erwin Kostedde (l.) im Trikot von Werder Bremen erhält 3.000 DM Haftentschädigung, weil er im Jahr 1990 unschuldig im Gefängnis sitzt. Foto: Imago Images/ Kicker/ Eissner

OMG — Oh My God

Das kann doch nicht wahr sein

Lost in Translation - So „klaut“ Werder in England…„Football’s coming home“ („Three Lions on the Shirt“)… Diese Fan-Hymne der EURO 1996 von Baddiel, Skinner & The Lightning Seeds kennt wohl jeder Fußball-Fan. Da man in Bremen die Dinge wörtlich nimmt („Moin, moin, Gascoigne“), haben die Stadion-DJs diesen Song einfach 1:1 ins Deutsche übersetzt. Damit aber nicht genug. Auch bei einem Slogan geht Werder 2016 „englisch“ einkaufen…

Copycat Werder Bremen: Ein Song, der im Bremer Weserstadion seit der Double-Saison 2003/04 regelmäßig gespielt wird, ist „Fußball kommt nach Haus“ („Das W auf dem Trikot“) und statt „Jules Rimet still gleaming“ heißt es darin „Die Meisterschale glänzt noch“. Vor den Übersetzungskünstlern von der Weser ist auch der „Day Dream Believer“ von den Monkees nicht sicher. In Bremen hört sich das dann so an: „Wir sind Werder Bremen“ – Bei allem Respekt: Das ist wirklich nur was für eingefleischte Fans… ebenso der Slogan „This is Osterdeich“, der 2016 als norddeutsches Pendant zum eigentlich unantastbaren „This is Anfield“ das Team im Abstiegskampf beflügeln soll.

Werder zum Fremdschämen: Werder zum Fremdschämen gibt es bei der Rückkehr nach dem Europapokalsieg in Lissabon 1992. „Nun betritt Otto Rehhagel deutschen Boden“, lässt Werder-Hausreporter Rolf Töpperwien vom ZDF bei der Ankunft des Trainer-Königs mit dem Pokalsieger-Pokal auf dem Flughafen Bremen-Neuenland nun wirklich jede Zurückhaltung fallen.

0:4 in Pasching: In die „Double“-Saison 2003/04 fällt eine der größten fußballerischen Peinlichkeiten in der Geschichte von Werder Bremen. Am 30. Juli 2003 geht Werder mit „voller Kapelle“, also mit fast der Elf, die knapp ein Jahr später Deutscher Meister und Pokalsieger wird, im UI-Cup-Halbfinale mit 0:4 (0:3) beim österreichischen No-Name-Klub SV Superfund Pasching unter.

Der „Schlitzer“: Der Bremer Spieler Norbert Siegmann wird sicher nicht wegen seines Treffers zum 1:0 beim Wiederaufstieg 1981 in Oldenburg in die Werder-Geschichte eingehen. Am 14. August 1981 schlitzt Siegmann im Bundesliga-Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (1:0) seinem Gegenspieler Ewald Lienen mit den Stollen den Oberschenkel auf – bei der klaffenden, 25 Zentimeter tiefen Schnittwunde liegt die Muskelhülle frei! Ein Foul, das Bundesliga-Geschichte schreibt! Lienen beschuldigt Werder-Coach Otto Rehhagel, Siegmann („Das Foul geschah aus Übermotivation und fehlender Erfahrung heraus“) zum unfairen Spiel angestiftet zu haben. Als Folge muss „König Otto“ im Rückspiel auf der „Alm“ (0:2) wegen einer Morddrohung unter Personenschutz und mit kugelsicherer Weste auf der Trainerbank sitzen.

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Abb.1.8.8 Norbert Siegmann schlitzt den Oberschenkel von Ewald Lienen am 14. August 1981 auf. Foto: Imago Images/ Sven Simon

Fun Facts

Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs

Die größten Erfolge und die „Wunder von der Weser“ mit den unvergessenen Flutlicht-Nächten im Europapokal im Weserstadion gegen Anderlecht (5:3 nach 0:3, 1993), Dynamo Berlin (5:0, 1988) oder Olympique Lyon (4:0, 1999) sind längst Teil der deutschen Fußball-Geschichte. Aber: Werder ist mehr als nur Wunder. Es gibt eine Menge Fun Facts über den Deutschen Meister von 1965, 1988, 1993 und 2004, mit dem man gegen jeden HSV-Fan punkten kann.

Werder? Hamburg hat genug! Bremen gegen den HSV, das ging noch nie gut. Aber wenn Bremen Meister wird, dann gibt es auch eine Packung für die ungeliebten Hamburger. Mit 5:0 fegen Andy Herzog und Co. die „Rothosen“ am 33. Spieltag 1992/93 aus dem Weserstadion. Das Stimmungsbild im Hamburger Volksparkstadion eine Woche später gegen Eintracht Frankfurt (1:2) ist eindeutig. „Uns reicht’s!“, steht auf einem einsamen Fan-Transparent in der leeren Westkurve…2004 setzt es für die Hamburger am 30. Spieltag in Bremen gar ein 0:6. In beiden Fällen sind die Bayern wenig amüsiert. Von einer „miesen norddeutschen Provinzposse“ spricht etwa Karl-Heinz Rummenigge 1993. Sie wähnen in Verkennung der hanseatischen Rivalität Schiebung. Immerhin wird Werder in beiden Jahren Meister, vor dem FC Bayern.

Der beste Einwurf aller Zeiten: Die Bayern haben noch mehr Grund, sich über Werder zu ärgern. Aber am 21. August 1982 sind sie selbst schuld. Ihr neuer Torwart Jean-Marie Pfaff, belgischer Nationalkeeper, debütiert an diesem Tag in der Bundesliga und sorgt dafür, dass es jeder mitbekommt. Denn in der 44. Minute fängt er das erste Einwurftor der Bundesligageschichte. Stürmer Uwe Reinders, ein Mann mit kräftigen Armen und großer Schnauze, schleudert den Ball mit Windunterstützung in den Fünfmeterraum, wo er hoch aufsetzt. Zu hoch für Pfaff, der von Libero Klaus Augenthaler zudem behindert wird, den Ball nur mit den Fingerspitzen berührt und ihn ins Tor hüpfen lässt. Hätte er ihn nicht berührt, das Tor hätte nicht gezählt. Schlimmer noch: es ist das einzige Tor, das in diesem Spiel fällt. Werder feiert seinen Einwurftorschützen. Und Reinders macht auf cool: „Ich wollte den Ball auf Rudi Völler werfen, der ihn in die Mitte verlängern sollte. Und da sollten sich dann drei andere wie die Stiere in den Ball reinwerfen. Wir haben das im Training genauso geübt wie andere Standards.“ Kurios: auch vom zweiten und bis heute letzten Einwurftor der Bundesliga profitiert Werder. Im September 2018 wirft Stuttgarts Ruben Sosa den Ball aufs eigene Tor, überrascht dabei seinen Keeper Ron-Robert Zieler, der nur noch den Fuß dran bekommt. Tor für Werder – diesmal aber ist es nur ein Fun Fact bei einer Niederlage (1:2).

Das Jahr des Freibad-Toni: Ailton ist mit Sicherheit einer der schillerndsten Spieler, die Werder Bremen jemals unter Vertrag hat. Der Brasilianer, 1998 von den UANL Tigres aus Mexiko geholt, holt sich in der Meistersaison 2003/04 mit 28 Treffern die Torjäger-Kanone der Fußball-Bundesliga. Der „Freibad-Toni“, wie der Südamerikaner auch genannt wird, legt damit die beste Tor-Ausbeute seit Bayern-Legende Karl-Heinz Rummenigge 1980/81 (29 Tore) vor und wird 2004 sogar „Fußballer des Jahres“. Dreimal geht die Auszeichnung „Tor des Monats“ in dieser Spielzeit an „Ein Chanc, zwei Tor, das Ailton“, viel mehr geht nicht.

Otto und „Assi“ auf Kneipenstühlen: Das Meisterstück in der 2. Liga 1981 in Oldenburg erleben Werder-Coach Otto Rehhagel und Manager Rudi Assauer im engen Stadion am Spielfeldrand auf eigens herbeigeschafften Kneipenstühlen.

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Abb.1.8.9 Otto Rehhagel - König von Bremen regierte diese Stadt vom 02. April 1981 bis zum 17. Juni 1995. Foto: Imago Images/Schumann, Infografik by Ligalive, Infografik erstellt von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook Venture GmbH

Phänomen „Piza“: Der am 3. Oktober 1978 geborene peruanische Fußballprofi Claudio Pizarro hält in der Bundesliga per Dezember 2019 drei Rekorde: Er ist der am häufigsten eingesetzte, ausländische Spieler, der älteste Bundesliga-Torschütze und Rekordtorschütze von Werder Bremen.

Werders Tor-Könige: Nur einer holt die Schale! Vier Werder-Stürmer holen sich in mehr als 55 Jahren Bundesliga die Torjäger-Krone. Mit einem kleinen Schönheitsfehler, denn nur Ailton (2004) wird als Top-Torjäger der Liga auch Deutscher Meister. Den Anfang macht Rudolf „Rudi“ Völler in der Vizemeister-Saison 1982/83. Es folgt 1994/95 „Super-Mario“ Basler. Der explosive Pfälzer wird auch nur Vize und muss sich am Ende mit Heiko Herrlich von Borussia Mönchengladbach (ebenfalls 20 Tore) sogar den Torjäger-Titel teilen. Dritter im Bunde ist 2005/2006 Miroslav Klose. Mit 25 Toren schießt der Nationalstürmer Werder zur Vizemeisterschaft hinter den Bayern.

„Otto find ich gut“: Ein Denkmal vor dem Weserstadion für die größten Erfolge der Vereinsgeschichte und die bis heute längste Amtszeit eines Trainers in der Bundesliga – von 1981 bis 1995 regiert „König“ Otto Rehhagel bei Werder Bremen. Seine Mannschaft singt ihm zum Abschied ein etwas ungelenkes Liedchen („Otto… find ich gut“)

Europacup ist nichts für Feiglinge: „Kommt raus, Ihr Feiglinge, damit wir Euch fertigmachen können“, pocht Werder-Stürmer Manfred Burgsmüller († 2019) vor Anpfiff der Europacup-Partie der Bremer gegen Dynamo Berlin 1988 im Meister-Wettbewerb an die Kabinentür der Gäste. Werder überrollt den DDR-Meister nach 0:3 im Berliner Hinspiel noch mit 5:0 – und es hätte sogar 6:0 ausgehen müssen. Einen Ball von Burgsmüller kratzt BFC-Torhüter Bodo Rudwaleit in der 1. Halbzeit hinter der Torlinie weg…

Special Moments

Rippenbrüche, Platzwunden, Gehirnerschütterung. „Ritter Kuno“ muss Schluss machen.

Jedem Fußballfan ist der Schreck in die Glieder gefahren. Am 8. Februar 1981 ist der geschätzte Trainerkollege Kuno Klötzer auf der B214 zwischen Celle und Braunschweig bei vereister Fahrbahn schwer mit seinem Auto verunglückt. Rippenbrüche, Platzwunden, Gehirnerschütterung. „Ritter Kuno“, wie sie ihn in Hamburg getauft haben, hat Glück im Unglück gehabt.

Kuno versucht noch mal, auf die Trainerbank von Werder Bremen zurückzukehren. Mit seinen fast 59 Jahren gehört er zu den Oldies in diesem Geschäft, diesem brutalen Trainergeschäft. Wie hart es in der Bundesliga-Trainergilde zugeht, habe ich selbst am eigenen Leib erfahren.

Am 30. April 1978 hat mich Borussia Dortmund nach einem 0:12 bei Borussia Mönchengladbach am letzten Bundesliga-Spieltag von meiner Trainertätigkeit beim BVB freigestellt. Die Medien, bei denen ich oft angeeckt bin und denen ich in der Vergangenheit schon oft die Schuld an der Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts gegeben habe, sind natürlich nicht zimperlich. „Otto Torhagel“ ist noch die mildeste Bezeichnung für das höchste Desaster, das je ein Team in der deutschen Fußball-Eliteliga hat hinnehmen müssen – und für welches ich die Verantwortung trage. Einige besonders kluge Journalisten unterstellen mir sogar, ich hätte das Spiel absichtlich so hoch verloren, damit Gladbach noch Deutscher Meister wird. Bestechung und so weiter. Das ist natürlich Kokolores. „Die Leute, die das geschrieben haben, wagen heute nicht mehr, mit mir zu sprechen. Das hat zuerst in der BILD-Zeitung gestanden, die haben einfach einen Aufhänger gesucht“, ist damals meine Antwort auf die heftigen Anschuldigungen.

Seit ich im Oktober 1979 bei Arminia Bielefeld in der 2. Liga mein Traineramt freiwillig zur Verfügung gestellt habe und mir DSC-Präsident Jörg Auf der Heyde unterstellt hat, mir hätte „die Eigenmotivation gefehlt“ und ich könne „mit Mannschaften nur kurzfristige Erfolge erzielen“, sieht man mich in der Branche sogar als schwer vermittelbar an. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was dir als Bundesliga-Trainer passieren kann. Wenn dir die Leute nicht mehr zutrauen, dauerhaften Erfolg als Trainer zu haben, dann bist du die ärmste Sau der Liga.

Bei Fortuna Düsseldorf habe ich allen gezeigt, dass ich es kann. Dass ich nicht nur der wie ein Irrwirsch am Spielfeldrand herumtobende „Feuerwehrmann“ bin, als der ich in der Liga wahrgenommen werde. „Der Rehhagel wird auch noch ruhiger“, prophezeit mir Toni Schumacher 1986. Mein Düsseldorfer Musterschüler Klaus Allofs, den ich später auch zu Werder Bremen hole, bestätigt dies eindrucksvoll: „Er kam als Feuerwehrmann, als der Sprücheklopfer, als der Trainer, der eine Mannschaft retten kann, aber nicht lange bleibt. Er hatte zwar schon einige Vereine hinter sich, aber noch nicht die Erfahrung. Dennoch war er in der Lage, die Mannschaft gut einzustellen, das Wesentliche zu erkennen.“

DFB-Pokalsieger 1980 mit der Fortuna, mein erster Titel als Trainer. Ein 0:3 in 1. FC Kaiserslautern im Dezember 1980 und Tabellenplatz 16 führen zu meinem Abschied aus Düsseldorf, weil sich der Verein zuvor schon die Dienste von Heinz Höher gesichert hat. Er hat wie ich das zweifelhafte Image eines „Feuerwehrmannes“.

Kuno Klötzer geht es im Februar 1981 zum Glück wieder besser. Aber er hat bohrende Kopfschmerzen und kann den Trainerjob bei Werder Bremen nicht mehr dauerhaft ausüben. Werder Bremens Manager Rudi Assauer meldet sich. Er überredet mich, Klötzers Nachfolge bei Werder in der 2. Liga anzutreten. Zwischendurch hat er sich während Kunos Abwesenheit selbst auf die Bank gesetzt. Das hat er schon während der Abstiegssaison 1979/80 gemacht – und Ankündigungen „gebracht“, die heutzutage undenkbar wären. „Es gibt insofern einen Wunschtrainer, den Trainer, der uns wieder unten rausholt, den wünsche ich mir“, sagt Assauer im Januar 1980. Er holt sich den 67-jährigen Trainer-Veteran Fritz Langner dazu und spendiert zur Auflockerung vor dem Auswärtsspiel in München Schnaps für die ganze Mannschaft.

Dass diese Thekenfußballer-Mentalität nichts bringt, kann man sich denken. Es ehrt Assauer, dass er nach dem Abstieg 1980, der schlechtesten Saison, die Werder Bremen jemals in der Bundesliga gespielt hat, geblieben ist. 93 Gegentore hat man hinnehmen müssen, allein elf gegen Meister FC Bayern München. „Ich habe das mit verbockt, ich repariere das auch“, sagt Assauer. Sein Chef, der Anästhesist Dr. Franz Böhmert, der seit 1970 Werder-Präsident ist, wählt ein Jahr später drastischere Worte: „Der Verein lag im Koma“ – „In der 2. Bundesliga“, hat Franz sehr gut erkannt, „wird wie in der ersten Klasse trainiert und bezahlt.“ Assauer hat jedoch eine Gehaltsgrenze gezogen: „Kein Spieler bekommt mehr als 200.000 Mark.“

SV Werder Bremen
Abb.1.8.10 Das Erfolgstrio von Werder Bremen: Böhmert (l.), Rehhagel (m.) und Lemke (r.) im Jahr 1981. Foto: Imago Images/Schumann

Damit hat er die meisten Spieler vertrieben. Dieter „Budde“ Burdenski ist einer der wenigen, die geblieben sind. Ansonsten sorgt Werder Bremens Kader in der 2. Liga bei den Medien für beißenden Spott. „Die neuen Spieler vermitteln den Werder-Fans fast das Gefühl, der Verein richte im Weserstadion ein Auffanglager für alternde und zurückgebliebene Fußballspieler ein“, schreibt DER SPIEGEL, „der neue Libero Klaus Fichtel zählt 35 Jahre, der neue Mittelstürmer Erwin Kostedde 34.“ Das ist böse.

Mit meinen Jungs werde ich vom ersten Tag an das Gegenteil beweisen. Erwin Kostedde, der schon in Dortmund und Offenbach mein Spieler ist und unter keinem Trainer mehr Tore erzielt als während unserer Zusammenarbeit, zahlt mein Vertrauen mit neun Toren in zwölf Spielen zurück. Das Comeback als Werder-Coach endet mit einem souveränen 4:2-Erfolg bei Union Solingen, auch dank eines Treffers von Kostedde. Es folgt ein 6:0 zu Hause gegen Alemannia Aachen.

Ein paar Tage später geht Kuno Klötzer zu Dr. Franz Böhmert und verzichtet zu meinen Gunsten auf den Trainerposten bei Werder Bremen. Es wird für mich, aber auch für Böhmert und seinen SVW der entscheidende Moment, der alles zum Guten wenden wird. Gemeinsam kehren wir souverän 1981 und mit der besten Tor-Ausbeute des Vereins im Profifußball von 93 eigenen Treffern in die Bundesliga zurück.

Aber: Die bis dahin drei Entlassungen in meiner Trainerkarriere haben mich vorsichtiger werden lassen. Nach dem 4:2 gegen Borussia Mönchengladbach zum Saisonstart lehne ich alle Glückwünsche ab. Das mögen mir viele als typische Otto-Arroganz ausgelegt haben, ich aber bleibe bei dem, was ich damals gesagt habe: „Fußballruhm dauert nur eine Woche.“ Das ist nach unseren Riesen-Erfolgen nicht anders.

Weise Worte

Zitate für die Ewigkeit

„Ein Fußballtrainer muss allein deshalb so viel Geld verdienen, damit er sich als Pensionist ein Zimmer erster Klasse in der Klapsmühle leisten kann.“ Otto Rehhagel, Trainer-Ikone von Werder Bremen

„Jeder hat das Recht, meine Meinung zu sagen.” Otto Rehhagel, Trainer-Ikone von Werder Bremen

„Jeder Sieg tut gut, Derbysieg noch guter.“ Frank Baumann, Manager von Werder Bremen

„Wir sind es doch von zu Hause gewohnt, nach der Pfeife einer Frau zu tanzen.“ Alexander Nouri, Ex-Trainer von Werder Bremen

„Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit.“ Zlatko Junuzovic, Ex-Spieler von Werder Bremen

„Ich bin Optimist. Ich erhänge mich erst, wenn alle Stricke reißen.“ Otto Rehhagel, Trainer-Ikone von Werder Bremen

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Andere Vereine

Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten

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Über dieses Projekt

„AKTE WERDER" ist ein Dossier über SV Werder Bremen. Ziemlich ungerecht, bewusst einseitig — aber mit viel Liebe zum Detail und dem nötigen Respekt.

Teil der Akte Bundesliga-Serie — 18 Club-Dossiers über die Bundesliga-Vereine.

Autoren: Carsten Germann, Thomas Look & Udo Muras
Redaktion: Bilder: Imago Images
Produktion: Marcus Brauer, Denis Tuksar